Projekt Vorurteile

„Man soll die Leute nicht nach dem Aussehen beurteilen“

Ein Praxisbericht über die Kooperation mit Studenten der Universität Augsburg zum Thema „Vorurteilen begegnen und damit umgehen“

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Im Rahmen eines Praxisseminars an der Universität Augsburg, wurden Lehramtsstudenten des Faches Politische Bildung dazu angehalten, aktiv selbst Unterricht in einer Mittelschule vorzubereiten und durchzuführen. Nach einer kurzen Ideenfindung, stand das Thema innerhalb kurzer Zeit fest: Interkulturellen Vorurteilen zwischen Deutschen und Türken begegnen und damit umgehen. Dabei ist der Schülerbezug dieses Themas aktueller denn je. Im Zuge einer politischen Integrationsdebatte wird immer wieder das Funktionieren einer multikulturellen Gesellschaft in Frage gestellt und auch auf den Schulhöfen gehören Vorurteile zwischen deutschen und türkischen Kindern leider zum Alltag, was ein gegenseitiges Kennenlernen der Kulturen erschweren. Aus gegebenem Anlass wollte daher die Studentengruppe im Unterricht der Mittelschule ein Bewusstsein für Vorurteile schaffen und den Schülern Sicherheit im Umgang mit diesen zu vermitteln.

Ein Thema war somit gefunden, doch welche Einsatzschule sollte in Frage kommen? Aufgrund bereits vorangegangener Praktika und Kooperationen der Studenten, war der Kontakt zur Konrektorin Frau Solgun-Kaps an der Grund- und Mittelschule im Bärenkeller-Augsburg schnell und unkompliziert hergestellt. Die aufgeschlossene und kooperative stellvertretende Schulleiterin sah sofort die Möglichkeit der Umsetzung in der jahrgangsgemischten Klasse 5/6 im Rahmen des Islamunterrichts an bayerischen Mittelschulen.

Im Zentrum des Unterrichts stand dabei die Auseinandersetzung der Schüler mit dem Kurzfilm „Das nenne ich Zivilisation“ (Türkischer Titel: Medeniyet Baska Birsey) des Kabarettisten, Schauspieler und Regisseurs Aydin Isik. In satirischem Gewand präsentiert Isik Vorurteile zwischen Deutschen und Türken, welche von den Schülern festgehalten und hinsichtlich ihres Wahrheitsgehalts untersucht wurden. Dabei wurde den Mittelschülern auch die Möglichkeit gegeben, eigene Erfahrungen mit Vorurteilen zu äußern, was den Kindern einen persönlichen Zugang zu diesem Thema ermöglicht. „Die dachten ich bin kein Türke und ich spreche auch kein Türkisch und dann haben die einfach schlecht über mich geredet. Ich habe ihnen dann auf Türkisch gesagt, warum sie denn Ausdrücke gegen mich sagen?“

Im Anschluss konnten die Schüler auf einer Positionslinie im wahrsten Sinne des Wortes Stellung beziehen. Bei Aussagen wie zum Beispiel „Vorurteile sind immer richtig“, „Deutsche Küssen sich ständig in der Öffentlichkeit“, „Die witzigen Darstellungen des Regisseurs Isik gehören sich nicht, da sie andere verletzen!“ konnten sich die Schüler aktiv im Raum positionieren und somit ihre Zustimmung bzw. Ablehnung zur Aussage kundtun. Dabei kam es zwischen den Kindern immer wieder zu einem kontroversen Meinungsaustausch über Vorurteile. Die Schüler entwickelten im Verlauf des Unterrichts ein starkes Bewusstsein für den Umgang mit Vorurteilen und konnten Sicherheit gewinnen. Eine Schülerin stellte fest, dass „jeder Mensch Vorurteile hat“, worauf ein anderer zustimmte: „Es ist einfacher jemanden nach dem Äußeren zu beurteilen“. Dagegen sprach allerdings folgende Erkenntnis einer Mitschülerin: „Man soll die Leute nicht nach dem Aussehen beurteilen.“

 

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Thomas Liedl (Lehramtsstudent der Universität Augsburg)